„Wo man singt, da lass dich ruhig nieder…“ – ein Abend mit dem Dresdner Kreuzchor

Die Zugabe „ Maria durch ein Dornwald ging“ habe ich natürlich schon einmal gehört und sie passt wunderbar in die Weihnachtszeit. Ein gelungener Abschluss für das Konzert am 3. Dezember 2011.

Aber deshalb habe ich das Konzert des Dresdner Kreuzchors nicht ausgewählt. Wenn  man schon in der Grundschule im Schulchor gesungen hat, dann ist es etwas ganz besonderes, einen Knabenchor  zu hören, schnell wird klar, dass hier (kleinere und größere) Profis am Werk sind. An diesem Abend steht alles unter dem Motto „Gloria“. Der Dresdner Kreuzchor bringt an diesem Abend gemeinsam mit dem Konzerthausorchester als erstes ein Magnificat für zwei vierstimme Chöre, zwei Trompeten, Streicher und Basso continuo, danach Gloria für Solia, Chor und Orchester D-Dur RV 589 von Antonio Vivaldi und nach der Pause zum Abschluss noch „Messa die Gloria“ für Tenor und Bass-Solo, Chor und Orchester von Giacomo Puccini.

Foto: Matthias Krueger

Beim ersten Stück ist das Orchester kleiner besetzt und der Klang des Chors fasziniert mich. Ich habe auch schon so große Chöre gehört, aber es ist jedes Mal wieder so faszinierend- vom ersten Moment an klingt es voll und homogen. Gleich am Anfang werde ich aber nicht von dem Klang, sondern vom Öffnen der Hefter überrascht, nicht dass das etwas Besonderes ist… aber es erfolgt absolut zeitgleich. Ich weiß, dass das einiges an Zeit braucht, bis das so funktioniert und das die doch zum größten Teil recht kleinen Sänger das so hinbekommen, ist ein schöner Auftakt- es handelt sich um einen disziplinierten, sehr gut aufeinander abgestimmten Chor.

Nach den folgenden 2 bis 3 Stunden kann ich bestätigen, dass es sich auch um einen sehr guten Chor handelt. Das zweite Stück – Gloria- ist wunderschön, der Chor wechselt sich mit einer Sopranistin und einer Altistin ab und mit dem Text im Programmheft wird sehr schnell deutlich, dass die Musik den Text nicht einfach nur unterlegt, sondern unterstützt und zu einem großen Teil mit an das Publikum „weiterreicht“ . So ist zum Beispiel eine Lobpreisung besonders heiter.
Die Musik, die den Text unterstützt und wichtige Punkte hervorhebt, findet sich auch in der „Messa di Gloria“ von Puccini wieder. Hier wird der Chor nicht von zwei Sängerinnen, sondern von zwei Sängern unterstützt, einem Tenor und einem Bass. Diese singen teilweise mit dem Chor, teilweise alleine ihre Soli. Die größen Teile der Messe nehmen nach dem einleitenden ruhigen und getragenen Kyrie Gloria und Credo ein. Beim Gloria fällt mir vor allem der tänzerische und fast spielerische Anfang auf. Bass und Tenor stoßen erst beim Credo hinzu. Sanctus und Agnus Dei sind danach wieder ziemlich kurz und so im Vergleich zu den anderen Teilen der Messe viel zu schnell vorbei.

Foto: Matthias Krueger

Aber es gibt ja noch den weihnachtlichen Nachschlag, ehe man wieder in die kalte Dezembernacht entlassen wird- „Maria durch ein Dornwald ging“. Ein wirklich schöner Abschluss.

Nicht nur, wenn man selbst Chormitglied ist, hat einen dieser Abend beeindruckt und seine Wirkung hinterlassen, da bin ich mir sicher. Und für mich wird es auch ganz bestimmt nicht das letzte (gehörte) Chorkonzert gewesen sein.

Herzliche Grüße,
Karoline

„Alpenländisch interpretiert“ – Was soll das denn sein?

Was denkt man sich eigentlich, wenn man hört: „ Musik alpenländisch interpretiert?“ Vieles, ich sehe da zuerst ein Alphorn vor mir, ganz bestimmt aber nicht das, was Franui aus Osttirol am 7.11.11 im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses auf die Bühne bringt. Mir ist die Musik nicht gänzlich unbekannt, wir haben 2 CDs der Musicbanda zu Hause und so gehe ich mit noch größerer Vorfreude zu dem Konzert. Und es soll sich schnell herausstellen, dass sich das auch lohnt…

Foto: ©Fred Einkemmer

An diesem Abend gibt es eine bunte Mischung von Liedern von Gustav Mahler, Franz Schubert und Johannes Brahms zu hören, all das gemischt mit osttiroler Anekdoten und immer „alpenländisch interpretiert“. Es ist nicht nur ein klangliches Erlebnis, sondern ein lustiger, unterhaltsamer Abend, bei dem man durchaus etwas lernen kann. Wer hätte zum Beispiel gewusst, dass „Die Taubenpost“ von Schubert im Original für Hammond-Orgel, Congas und Tuba komponiert wurde, dann erst gecovert von Schubert für Klavier und Fischer-Dieskau und danach die Version von Franui folgte? Oder, wie man nach Hinter- oder Vordervillgraten kommt und wie viel sich da verwechseln lässt? Mit diesen und ähnlichen Späßen füllen die Musiker die Pausen zwischen den einzelnen Stücken und finden immer wieder eine gelunge Überleitung zum nächsten Stück. So folgt auf den Bericht einer Reise von Tirol nach China und zurück Mahlers Lied „Ich bin der Welt abhanden gekommen“.

Foto: ©Bernhard Aichner

Die Lieder sind größtenteils beschwingt und voller Lebensfreude und man kann kaum glauben, dass eben diese Musiker mit einem Programm rein aus Trauermärschen angefangen haben sollen. Die Lieder sind nicht alle rein instrumental, teilweise singen die Musiker auch, aber auch, wenn das Stück davor nur instrumental war, passt das sehr gut und unterbricht in keiner Weise das sonstige Programm- das könnte auch damit zu tun haben, dass keiner von ihnen nur singt, immer spielen und singen und es keinen Extra-Sänger gibt, das Singen ist eher begleitend zu dem Spiel auf den Instrumenten. Trotz Zugaben ist der Abend so viel zu schnell rum. Aber eines hat man neben den schönen Erinnerungen und Klängen, die einen auf dem Weg nach Hause begleiten: gute Laune!

Herzliche Grüße,
Karoline

Ein voller Erfolg: Unsere Kinderoperngala 2011

Über 300 Kinder aus Berliner Problemkiezen waren am 20. Dezember 2011 zu Gast im Konzerthaus Berlin. Bei der weihnachtlichen »Kinderoperngala« erhielten Kinder im Alter von 6-12 Jahren einen ersten Einblick in die Welt klassischer Musik.

Die Kinder waren begeistert von dem festlich geschmückten Beethoven-Saal und von der herzlichen Begrüßung durch Schirmherrin Bettina Wulff. Nach einem gemeinsamen Foto mit dem Weihnachtsmann freuten sich die jungen Gäste auf das weihnachtliche Buffet mit Mandarinen, Spekulatius und leckerem Kuchen.

Freudige Gesichter bei der 6. Kinderoperngala im Konzerthaus Berlin

Gemeinsam wurden Weihnachtslieder gesungen. Es folgte der Höhepunkt des Nachmittags: Die Vorführung der zauberhaften Märchenoper »Dornröschen« im Kleinen Saal. Die Sänger, Instrumente und farbenprächtigen Kostüme zogen die Kinder sofort in den Bann. Nach der Vorstellung hatten die Kinder dann noch die Chance, Dornröschen und weitere Darsteller bei einer Autogrammstunde persönlich kennenzulernen.

Schirmherrin Bettina Wulff: »Die Kinderoperngala bereitet Kindern einen unbeschwerten Nachmittag mit schönen und außergewöhnlichen Momenten. Die farbenprächtige Aufführung von Dornröschen nimmt die Kinder mit auf eine phantasievolle Reise, die sie zum Staunen und Nachdenken bringt. Das Besondere ist auch, dass die Kinder im Mittelpunkt stehen und Aufmerksamkeit erleben, die Ihnen oftmals nicht entgegengebracht wird.«

Die »Kinderoperngala« ist eine Veranstaltung von Zukunft Konzerthaus
e. V.
und fand in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal statt.

Schaut Euch auch unsere Bildergalerie an:

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Wir wünschen auf diesem Wege allen ein fröhliches Weihnachtsfest!

Herzliche Grüße,
Zukunft Konzerthaus e.V.

Advent, Advent…..

Was für eine schöne Einstimmung auf die Weihnachtszeit.
Pünktlich zum 1. Advent fand im Konzerthaus das Stück „Tannenbaum und Weihnachtswiese“ statt.

Beifall hallte durch den kleinen Saal, als die Musiker und der Erzähler auf die Bühne kamen. Es wurde nicht nur wegen der Leute geklatscht, die soeben die Bühne betreten hatten, sondern auch wegen dem Adventskranz, auf dem eine Kerze brannte und der Bilder, die auf eine Projektionswand hinter der Bühne geworfen wurden.

Dann wurde es leise und die Musiker begannen zu spielen. Die Musik war sehr schön. Mir hat sie jedenfalls gut gefallen und ich glaube, die anderen im Saal waren auch begeistert.

Nun hob der Erzähler seine Stimme. Die erste Geschichte hieß „Malins Geheimnis.“ Es ging um ein Mädchen, dass einen anderen Musikgeschmack hatte, als die meisten Kinder in ihrem Alter. Sie mochte klassische Musik und das Orgelspiel in der Kirche… Das Publikum lauschte der Geschichte gespannt. Die Erzählung war toll, so wie die anderen darauffolgenden: „Am Schneesee“, „Post für den armen alten Mann“, „der Esel des Sankt Nikolaus“ und „die Weihnachtswiese“. Zwischen diesen gut ausgewählten Geschichten gab es passende Musik z.B. von Antonio Vivaldi (Die vier Jahreszeiten: Winter) oder Wolfgang Amadeus Mozart (eine kleine Nachtmusik). Die Geschichten waren sehr abwechslungsreich. Die Geschichte “Am Schneesee“ von Franz Fühmann z.B. war sehr lustig. Die Geschichte “Der Esel des Sankt Nikolaus“ von Lisa Wenger zum Beispiel war eher traurig und spannend. Der Vorleser Otto Mellies hatte eine verständliche und gute Stimme, wodurch das Zuhören noch mehr Spaß gemacht hat.

Ich fand die Vorstellung insgesamt sehr gelungen und für mich war es ein wunderschöner Vormittag. Sie ist sehr empfehlenswert. Zum Schluss gab es in der Eingangshalle ein Gewinnspiel. Die Fragen daraus waren für jeden leicht zu lösen, der aufmerksam zugehört hat.

Diese Veranstaltung ist einfach total gut gelungen!
Eure Pauline

Baustelle Mussorgsky – »Bilder einer Ausstellung« neu gebaut

Mit einer Baustelle verbinde ich immer etwas das mitten in der Entwicklung steckt, etwas Unvollendendetes , dass eventuell mit jedem Tag mehr zur Vollendung strebt, manchmal nicht mal das…

Ganz anders  war das aber bei der „Baustelle Mussorgsky“ am 6.11.11 abends im Konzerthaus. Mussorgsky hat da kein Ende offen gelassen, bei seinen „Bildern einer Ausstellung“, aber warum dann Baustelle? Das ist ganz einfach zu erklären: Hier wurde ein bisschen an dem Stück herum gebaut! An diesem Abend erklingen nacheinander das Original für Klavier, gespielt von Sebastian Berweck , dann die Rockversion „pictures at an exhibition“ von Emerson, Lake und Palmer und als krönender Abschluss schließlich „Undertone Project“ aus dem Saarland mit der Jazz-Version “Pictures Lounge“.

Sebastian Berweck spielte die Klavierfassung von "Bilder einer Ausstellung" | ©Annika Neese

Schon bei dem Klavierstück merkt man: Ja, Teile der „Bilder einer Ausstellung“ hat man auf jeden Fall im Ohr, nehmen wir das „Ballett der unausgeschlüpften Küken“- ich bin mir ziemlich sicher, genau dieses Stück habe ich schon mal als Handyklingelton gehabt, wenigstens Ausschnitte. An der Klavierversion gefallen mir vor allem die piano-Stellen, da sie mit viel Gefühl gespielt sind und wesentlich weicher und schöner wirken als die Gegensätze im forte.  Diese sind nicht etwa falsch, müssten aber meiner Meinung nach nicht ganz so hölzern sein. Sonst gefällt mir die Klaviervariante.

Albumcover von Emerson, Lake und Palmer | ©Sanctuary

Nicht zu vergleichen ist die Rock-Version nicht von, sondern nach Mussorgsky und von Emerson, Lake and Palmer. Das erste auffällige ist hier wohl die Kleidung der 3 Musiker, Siebziger und Heute sind eben doch ein kleiner Unterschied. Der Konzertmitschnitt wird im großen Saal und im Werner-Otto-Saal gezeigt, wir bleiben sitzen und schauen uns den Film im Werner-Otto-Saal an. Was wir zu hören bekommen,  ist eine Mischung aus  Rock, Experimentierfreudigkeit und Mussorgsky. Das ist wirklich lustig, das einzige Problem ist, dass die ganze Sache nach etwa einer Viertelstunde ziemlich auf die Ohren geht und wir in der Pause vor dem letzten Teil des Konzerts erst einmal die Ruhe genießen.

Den krönenden Abschluss bildet dann das „Undertone Project“ aus dem Saarland mit der Jazz-Version „Pictures Lounge“.  Im Gegensatz zu Emerson, Lake and Palmer spielen sie live und auch alle Teile der „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky. Und das kann sich hören lassen!

Müde wieder zu Hause bin ich mir sicher, dass sich der Abend gelohnt hat, so viele Varianten von einem Stück- eine gelungene „Gegenüberstellung“!

Viele Grüße,
Karoline

YEAH! – Wir waren dabei!

Puh, wir sind zurück in Berlin und möchten Euch nun natürlich unbedingt berichten von unserer aufregenden Zeit als Junge-Reporter-Berichterstatter beim YEAH Festival 2011 in Osnabrück.

Für alle, die diese Info noch nicht haben: YEAH steht für Young Earopean Award. Jetzt werdet Ihr Euch wahrscheinlich fragen: “Und für was steht das H?” Da ist Eure Kreativität gefragt….H wie Hören, H wie Highlight….denkt Euch einfach etwas aus.

Nun aber zurück zum YEAH-Award. Schon lange bevor wir nach Osnabrück fuhren, hatten wir nominierte Musiker und Künstler interviewt und uns Videos von ihren Stücken angesehen. Das netzwerk junge ohren wollte uns in der Finalrunde, also bei den Präsentationen und bei der Preisverleihung unbedingt dabei haben. Also hieß es am Freitag, 18.11., auf nach Osnabrück.

Das Outfit stimmt: Junge Reporter Kappe im YEAH-Look

Wir bekamen extra schulfrei und stiegen ganz früh mit unseren Müttern in den Zug von Berlin nach Osnabrück. Knappe vier Stunden brauchten wir und wir waren schon ziemlich aufgeregt. Lilia hatte sogar extra ihr Junge Reporter T-Shirt und ihren Presseausweis mitgenommen.

Gleich um 13.00 Uhr besuchten wir einen Workshop des Osnabrücker Jugendchores unter derLeitung von Richard Frostick. Es war total spannend mit anzusehen, wie der Dirigent die Kinder und Jugendlichen motivierte und mit welchen Methoden er ihnen ganz neue Interpretationsmöglichkeiten in der Chormusik aufzeigte.

Am Abend besuchten wir in der Aula des Zentrums für Umweltkommunikation die Abschlussveranstaltung des Projektes “Hörbare Umwelten” unter der Leitung von Volker Staub. Diesen Klangkünstler und Komponisten hatten wir bereits in Berlin getroffen und interviewt. 4 Schulen (von der Grundschule bis zur Oberstufe) präsentierten eigene Kompositionen, in denen sie Umweltgeräusche in klassische bzw. moderne Musik integrierten.

Nach dieser Präsentation durften wir die BodyRhythmFactory aus Dänemark erleben und waren total begeistert. Was diese Künstler hoch professionell mit Eimern, Schläuchen, Wasserbecken, Dosen und vielem mehr an Rhythmen und Geräuschen produzierten – der helle Wahnsinn. Wir konnten gar nicht genug davon bekommen.

Absolut genial: Die Body Rhythm Factory aus Dänemark

Am nächsten Tag, also am Samstag, schaute ich mir gemeinsam mit meinen Eltern und Annette, der Projektleiterin von Junge Reporter am Konzerthaus Berlin, in der Aula des Schlosses von Osnabrück  die Präsentation zu den Stücken aller nominierten Künstler an. Da waren vielleicht tolle Sachen dabei:

  • Ein Musiktheaterstück mit Objekten aus Belgien
  • Eine anatolische Reise mit türkischen Musikern und den Dresdner Sinfonikern
  • wie schon erwähnt die BodyRhythmFactory aus Dänemark
  • eine ungewöhnliche Produktion von “Der Reiche und die Nachtigall” nach einem Märchen von Hans Christian Andersen aus den Niederlanden
  • eine ultramoderne Inszenierung von “Romeo und Julia” aus Norwegen
  • Angestellte einer Automobilfirma aus Österreich, die auf eigenen Werkteilen ein Stück des genialen Komponisten Iannis Xenakis interpretierten und kompositorisch erweiterten
  • und vieles, vieles mehr….

Lilia schaute sich indessen mit ihrer Mutter Osnabrück an und kundschaftete schon mal die Lage des emma-Theaters aus, wo wir uns am Nachmittag “Don Quichotte”, dargeboten von den genialen Pantomimen Wolfram von Bodecker und Alexander Neander, ansahen. War das toll!
Wir durften in der ersten Reihe sitzen und konnten so alles ganz genau beobachten: Jede Bewegung saß, jeder Gesichtsausdruck war perfekt, tolle Kostüme, wunderbare Tricks und ein tolles kleines Orchester, das für die musikalische Untermalung sorgte. Am Ende gab es riesigen, nicht enden wollenden Applaus. Wir durften die beiden Künstler noch persönlich sprechen (auch sie hatten wir bereits in Berlin interviewt) und wurden sogar noch zu einem Interview auf die Bühne gebeten (den kleinen Film dazu findet Ihr sicher ganz bald auf der offiziellen Website von Bodecker & Neander).

Gefragt: Lilia und Madelief mussten während des Award zahlreiche Interviews geben

Am gleichen Abend fand dann, wieder in der Aula des Osnabrücker Schlosses, die glanzvolle Preisverleihung statt. Nach mehreren Reden von Prominenten (alles in allem Personen, die dieses Festival überhaupt möglich gemacht hatten – inhaltlich, organisatorisch und vor allem auch finanziell) wurden endlich die Gewinner bekanntgegeben. Es fanden nicht nur Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien des YEAH Award 2011 statt, sondern es wurde auch ein Junge Ohren Preis 2011 vergeben. In der Kategorie “Best Practice” siegte das Konzerhaus Berlin mit seiner Produktion “Rückspiegel”. Darüber freuten wir uns natürlich ganz besonders.

Zählen ebenfalls zu den strahlenden Gewinnern: Das Sonus Brass Ensemble aus Österreich

Es würde hier zu weit führen, alle Sieger aufzulisten, aber Ihr findet sie alle, sowie auch alle weiteren Infos und Berichte zum Festival, unter: YEAH-Award/Gewinner

Nach der Preisverleihung lud der Oberbürgermeister von Osnabrück alle Künstler und Gäste des Abends zu einem Empfang in die Aula des Schlosses. Das war spannend, alle Künstler so nah zu erleben und sogar mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Wir fanden das total toll.

Neben gesundem Obst gab es noch viele andere Köstlichkeiten am Buffett. Hmmm, lecker!!!!

Das Bufett war superlecker und wir wurden ganz oft auf unseren Job als Junge Reporter angesprochen. Da waren wir natürlich stolz, denn der macht uns riesigen Spaß und wir hoffen, wir sind noch bei vielen weiteren spannenden Projekten mit dabei. Als Junger Reporter heißt es ja immer: Augen und Ohren auf! Das machen wir und werden Euch dann natürlich wieder ausführlich berichten.

Für Euch live dabei: Die Jungen Reporter des Konzerthauses Berlin Madelief und Lilia

Bis dahin liebe Grüße von
Lilia und Madelief

 

Exklusivinterview mit Evelyn Glennie

Heute durfte ich die Künstlerin Evelyn Glennie treffen. Warum ich mich auf dieses Interview und das anschließende Konzert  schon ganz lange gefreut habe, möchte ich euch nun erzählen.

Evelyn Glennie ist eine britische Percussionistin und Komponistin und eine weltweit bekannte Interpretin zeitgenössischer Musik. In ihrer Jugend verlor sie ihr Gehör und nimmt seitdem Töne hauptsächlich über Schwingungen wahr. Sie tritt mit den großen Orchestern der Welt auf oder gibt Solokonzerte. An diesem Wochenende war Christian Josts „Cosmodromion“ zusammen mit Sinfonien von Johannes Brahms und Joseph Haydn zu hören. Ich hatte das Interview vorsichtshalber in Gebärdensprache vorbereitet aber das hätte ich gar nicht gebraucht, denn sie spricht ausgezeichnet und hat meine Fragen von den Lippen der Dolmetscherin abgesehen.

Verstanden sich prächtig: Die schottische Percussionistin Evelyn Glennie und unsere Junge Reporterin Rosa | Foto: Christine Schroeter

Wann haben sie begonnen Musik zu machen?
Ich weiß gar nicht mehr so genau, wann ich angefangen habe Musik zu machen. Ich bin im Nordosten von Schottland aufgewachsen und dort war es üblich, dass man in den Familien musiziert. Die Leute haben gesungen und traditionelle Musik gespielt. Das war ganz normal. Mit dem Klavierspielen habe ich angefangen, als ich ungefähr 8 Jahre alt war und mit der Klarinette im Alter von 10 Jahren und mit 12 Jahren habe ich Percussion für mich entdeckt.

Haben sie studiert?
Oh ja, ich habe 3 Jahr an der Royal Academy of Music in London studiert. Mit 16 Jahren habe ich begonnen und mit 19 Jahren habe ich mein Studium abgeschlossen.

Warum laufen sie oft barfuß?
Barfuß laufe ich gar nicht. Wenn ich laufe habe ich eigentlich immer Schuhe an. Aber ich spiele barfuß. Wenn du mein Konzert morgen besuchst wirst du sehen, dass die Instrumente alle in unterschiedlicher Höhe angeordnet sind. Und da ich mich immer zwischen den Instrumenten hin und her bewege, kann ich keine Schuhe tragen. Das würde unschöne Geräusche geben, es würde klappern. Und es ist auch sehr wichtig, dass ich mich gut mit dem Boden verbunden fühle, so dass ich den Klang fühlen kann. Physisch habe ich ohne Schuhe eine viel bessere Balance.

Welches Instrument spielen sie am liebsten?
Eigentlich habe ich gar kein Lieblingsinstrument. Das Stück, welches ich hier spiele, setzt zum Beispiel Marimba ein. Wenn ich Marimba spiele, ist das gerade mein Lieblingsinstrument und wenn ich Vibrafon spiele, ist das mein Lieblingsinstrument. Gern spiele ich auch auf den verschiedensten Holzschlaginstrumenten.

Sie sind weltweit unterwegs. Wo ist es für sie am schönsten?
Berlin ist wirklich schön, eine sehr aufregende Stadt. Hier fühle ich mich sehr wohl. Aber jeder Ort ist anders schön und es geht ja auch nicht nur um den Ort, sondern auch um die Menschen, die  mir sehr wichtig sind.

Sie engagieren sich für gehörlose Menschen. Wie genau machen sie das?
Es geht mir nicht nur um gehörlose Menschen, es geht mir um alle Menschen, Kinder und Erwachsene mit Einschränkungen. Musik ist dabei eine Art der Medizin und Musik- oder Stimmtherapien können helfen. Oder anders gesagt, man kann dabei helfen Dinge an sich zu entdecken, die man bisher nicht entdecken konnte. Es geht mir um Integration, das also gehörlose Kinder mit hörenden oder blinde Kinder mit sehenden oder Kinder im Rollstuhl mit Kindern die laufen können zusammen spielen und sich dadurch weiterentwickeln. Und die Musik ist dabei ein ganz großes Hilfsmittel.

Stimmt es, dass sie 15 Ehrendoktortitel haben?
Ich kann mich gar nicht genau erinnern, da muss ich noch einmal nachschauen. (lacht dabei)

Wie kann man Kinder an Musik heranführen?
Kinder machen dies auf ganz natürliche Weise. Da muss man gar nicht groß etwas zeigen. Kinder sind neugierig und körperlich sehr flexibel. Je älter wir werden, um so steifer werden wir. Wir können nicht mehr so flexibel denken und deshalb ist es wichtig, diese Flexibilität für sich so lange wie möglich zu bewahren. Eigentlich lerne ich eher von Kindern wie Dir oder von noch jüngeren Kindern. Für mich ist es wichtig, Dinge zu entdecken. Wenn ich  im Park bin und herum schaue, kann man so viele Klänge entdecken. Klänge kommen nicht einfach so zu dir, du musst sie entdecken. Was hört man, wenn man einen Baum schüttelt oder auch Wasser- du schaust auf das Wasser und überlegst, wie klingt es denn eigentlich. Wir haben heute so viel technische Klänge, aber was wir kaum noch haben, sind natürliche Klänge, die durch den Körper hindurch wandern. Diese Dinge sehr wichtig.

Stimmt es, dass sie eine Fotoagentur haben? Fotografieren sie selbst?
Ich weiß gar nicht, wo diese Information herkommt. Nein, eine Fotoagentur habe ich nicht aber ich fotografiere sehr gern. Dafür werde ich selbst nicht gern fotografiert.

Womit beschäftigen sie sich, wenn sie keine Musik machen?
Also wenn ich keine Musik mache kümmere ich mich um meine Katze Sofie, gehe sehr gern auf Antiquitätenflohmärkte, ich liebe meinen Garten und arbeite viel in meinen Gemüsebeeten, fahre gern Fahrrad und gehe sehr gern spazieren. Und ich bin gern mit lieben Menschen zusammen, die ich sehr mag.

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Evelyn Glennie ist eine sehr sympathische Frau und ich bin glücklich, dass sie mir dieses Interview trotz ihres vollen Terminkalenders ermöglicht hat!

Viele Grüße
Eure Rosa